Krainer Storzic (2132 m)

Allgemeines

Östlich von Kranj ragt ein mächtiger, kegelförmiger Berg auf, um den sich manch eine geologische Diskussion rankt. Zählt der Krainer Storzic (2132 m, Großer Storschitz) nun zu den Karawanken oder zu den Steiner Alpen? Die Frage ist schwer zu entscheiden, die Literatur vermittelt sowohl Klärung als auch das Gegenteil. National umwittertes Gedankengut spielt mit.

Der Verfasser vertritt die Ansicht, dass der Große Storschitz den Karawanken zugehörig ist bzw. das gesamte Massiv einer Untergruppe derselben entspricht. Der Hochobir (2142 m) ragt ja ebenfalls deutlich von der Hauptkette versetzt auf, und niemand würde auf den Gedanken geraten, es handle sich um keinen Karawankenberg. Im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts wurde das Herzogtum Krain vom bretonischen Naturforscher, Arzt, Universalgelehrten und Abenteurer Belsazar de la Motte Hacquet (1739/40-1815) durchstreift, und es gilt als sicher, dass er auch den Storschitz erstiegen hat. Entsprechende „Indizien“ scheinen u. a. in seinem vierbändigen Werk „Oryctographia carniolica, oder physikalische Erdbeschreibung des Herzogthums Krain“ auf. Der altvordere Erschließser zählt zu den bemerkenswertesten Gestalten des Alpinismus. Hacquet, von dem die ersten Anregungen zur Besteigung des Großglockners ausgingen, ist mit den berühmten Erforschern der Westalpen, den Schweizern Johann Jakob Scheuchzer und Horace-Benedict de Saussure, auf eine Stufe zu stellen. Reiht man seine Leistungen in den Ostalpen, gemessen an der Länge des zurückgelegten Weges, aneinander, gelangt man zum Schluss, dass weder vor noch nach ihm Ähnliches vollbracht worden ist. Reizvoll eine „das Volk der Kärntner“ beschreibende Stelle des Hacquet-Klassikers „Physikalisch-politische Reise aus den Dinarischen durch die Julischen, Carnischen, Rhätischen in die Norischen Alpen“:

„Das Volk in Kärnten... ist weniger arbeitsam, und durch seinen Reichthum an vielen und ergiebigen Bergwerken nicht bemüßiiget ausser Land zu wandern. Die Kleidung des volks beyderley Geschlechts ist ganz eben so einförmig. Ueberhaupt ist auch hier schönes volks, nur das Weibliche ist schon nicht mehr so reinolich, nachlässig im Anzug, mit sehr grossen Hüthen versehen; noch weniger keusch als in den vorgehenden Ländern...ohne Zweifel ist es ein besseres Leben, und weniger in der Noth sich zu befinden, schuld daran.“

100 Jahre bevor Hacquet, der am 21. März 1784 von Kaiser Joseph II. empfangen wurde und mit dessen in Klagenfurt gestorbener Schwester, Erzherzogin Marianna, bekannt war, in den Kärntner und Krainer Bergen leuchtende Tagen setzte, schrieb Johann Weichard Valvasor (1641-1693), Historiker, Topograph, Ethnograph, Verfasser mehrerer illustrierter Prachtwerke (etwa die „Topographia Archiducatus Carinthiae antiquae“):

„Storshez, ein Berg so oberhalb Crainburg gantz allein ligt, klimmt aus der Massen hoch und so spitzig empor, als wollte er die Wolcken durchstechen.“

Der Krainer Storzic zählt zu den am häufigsten besuchten Bergen Sloweniens. Wie viele Karawankenberge, weist er relativ leichte Anstiege auf, in Kletterkreisen werden seine schwierigen Wände geschätzt. Nordflanke und Nordwestwand sind von Kletterrouten förmlich „liniert“. In der Mitte der 650 Meter hohen Nordwand klebt eine Biwakschachtel, willkommener Stützpunkt der Kletterelite.

Anfahrt/Ausgangspunkt

Aus dem Kärntner Zentralraum über den Loiblpaß und in die alte Industriestadt Trzic, der Feldmarschall Josef Wenzel Graf von Radetzky zeit seines Lebens verbunden war und die Freiherr von Valvasor in sein opulentes Euvre aufgenommen hat. (Von Valvasor stammen übrigens die ersten Vorschläge zu einer Untertunnelung des Loiblpasses.) Trzic (Neumarktl, 515 m) ist die Heimat des erfolgreichsten slowenischen Schirennläufers, Bojan Krizaj; er gewann 1986/87 den Slalom-Weltcup. In den Bergen um Trzic und somit am Großen Storschitz kletterte auch einer der Größten des modernen Alpinismus, Tomo Cesen. Weltweites Aufsehen erregte der Slowene, als er 1986 als erster innerhalb einer Wintersaison die drei berüchtigsten Alpenwände – Eiger-Nordwand, Walkerpfeiler und Matterhorn-Nordwand – durchstieg.

Durch Trzic hindurch und ein kurzes Stück weiter, bis rechter Hand eine Hinweistafel auftaucht. Hier nicht geradeaus weiter Richtung Jelendol, sondern nach „rechts“ abzweigen; es gilt, das Dom pod Storzicem (Storschitzhütte, 1123 m) zu erreichen. Auf guter Asphaltstraße in das hübsche Dorf Lom hinauf. Nach Passieren des Dorfes verwandelt sich die Straße in eine Schotterfahrbahn. Die – auch größeren Fahrzeugen zumutbare – „Schotterreise“ erstreckt sich über ca. vier Kilometer und endet auf einem großen, in unmittelbarer Nähe des von vielen Ausflüglern besuchten Schutzhauses befindlichen Waldparkplatz.

Die Hütte steht im Talschluß des Lomsciciagrabens. Über ihr baut sich die von Schlünden und Schluchten zerrissene, in düstere Pfeiler gegliederte Nordwand des Storschitz auf. Das Dom pod Storzicem wurde erst nach dem Krieg, 1948, erbaut, zählt also zu den jüngsten Schutzhütten der Karawanken. Schon 1951 erneuert, verfügt es über zahlreiche Betten und zwei Dutzend Bergsteigerlager.